Bewegungsanalyse der Scapula bei der Elevation

Eine komplexe Bewegung, wie die Elevation des Armes, setzt sich zusammen aus den Bewegungen im Glenohumeralgelenk (GHG), Acromeoclavikulargelenk (ACG), Sternoclaviculargelenk (SCG) sowie aus der thorakalen und scapulothorakalen Gleitbewegung.

Essentiell für die Kinematik der Armbewegung ist die dreidimensionale Bewegung der Scapula. Dabei erfolgt ein zeitliches und räumliches Zusammenspiel des GHG und der Scapula.

Bei einer maximalen Elevation des Armes entfallen dabei 120° auf das GHG und 60° auf die Scapula. Bevor die Elevation beginnt steht die Scapula in 3° Außenrotation (AR), -2° nach posterior gekippt und in 40° Protraktion.

Es wird eine primäre, sekundäre und tertiäre Scapulabewegung unterschieden. Die primäre Scapulabewegung umfasst die Auf- und Abwärtsrotation um eine Saggitalachse durch das ACG, die sekundäre umfasst die anteriore und posteriore Kippung um eine laterale Achse durch das ACG und die tertiäre umfasst die Innenrotation (IR) und AR um eine cranio-caudale Achse durch das ACG.

Der Scapulohumerale Rhythmus bei der Elevation des Armes wird insgesamt in 4 Phasen beschrieben.

Ausgangsposition ist die Neutral-Null-Stellung/ Ruhestellung des Schultergürtels. Dabei steht die Clavicula in der Horizontalebene und bildet mit der Saggitalebene einen Winkel von 60°. Der Margo superior, ebenfalls in der Horizontalebene, bildet mit der Frontalebene einen Clavicula-Scapula Horizontalwinkel (C-S-H) von 30° und in der Frontalebene bilden die Scapula und Clavicula den Clavicula-Scapula-Vertikal-Winkel (C-S-V) von 90°.

Phase 1 beschreibt die Scapulastabilisation (`Setting-Phase`). Die Scapula dient als dynamischer Stabilisator. Sie wird durch den M.serratus anterior und den M. trapezius pars descendens leicht aufwärts rotiert. In dieser Phase dominiert die glenohumerale Elevation. Es findet keine Elevation der Clavicula und keine Bewegung im SCG statt.

In Phase 2 beginnt die Clavicula zu rotieren und die Scapula folgt. In dieser Phase dominiert die Aufwärtsrotation der Scapula, geführt durch den M. serratus anterior, den M. trapezius pars ascendens und den M. trapezius pars descendens. Das ACG bewegt in Retraktion. Der margo medialis abduziert dabei und der C-S-H-Winkel wird größer (10°). Die Clavicula gleitet dabei nach dorsal. Sowohl das SCG als auch die Clavicula weisen eine Elevation auf.

In Phase 3 (ca. 90°) zeigt sich eine vermehrte Elevation der Clavicula (30°). Neben der Aufwärtsrotation der Scapula kommt es zu einer posterioren Kippung. Dabei bewegt sich der angulus inferior der Scapula zur Clavicula in Adduktion Richtung Körpermitte, so dass der C-S-V Winkel kleiner wird als 90°. Im C-S-H findet keine Veränderung statt. Zusätzlich rotiert die Scapula nach außen. Der angulus inferior bewegt sich nach ventral/ lateral und die cavitas glenoidales nach cranial/ ventral. Dies führt zu einer stabilen und zugleich beweglichen Plattform für den Humeruskopf. Wichtig ist in dieser Phase auch die thorakale Extension. Sowohl die Scapularotation als auch die Clavicularotation sind sehr gering, bis der Humerus 90° Flexion erreicht hat.

Phase 4 beschreibt die volle Elevation sowie neben der weiteren Elevation der Clavicula (30°) eine Rotation (45°). Um den Arm maximal in Elevation heben zu können, ist eine Rotation der Clavicula um ihre Längsachse erforderlich. Diese beträgt insgesamt 30°- 40° und beginnt ab ca. 60° Armhebung, was der Entlastung des Plexus brachialis dient.

Insgesamt zeigt die Scapula bei der maximalen Elevation des Armes primär eine Aufwärtsrotation von 45°-55°, sekundär eine posteriore Kippung von 20°-40° und tertiär eine Außenrotation von 15°-35°.

Literatur:

Dexel J, Kopkow C, Kasten P., Pathomechanismus, Diagnostik und Therapie der Skapuladykinesie beim Wurfsportler. Dtsch Z Sportmed 2013; 64: 267-272.

Escamilla RF, Yamashiro K, Paulos L, Andrews JR, Shoulder muscle activity and function in common shoulder rehabilitation exercises. Sports Med. 2009;39(8):663-85.

Hauser-Bischof CO, Schulterrehabilitation in der Orthopädie und Traumatologie. 1.Aufl. Stuttgart, New York: Thieme Verlag 2002.

 

 

 

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