CRPS Männeken

Wenn sich aus einer Bagatellverletzung eine großes Beschwerdebild entwickelt ….

 

„Das komplexe regionale Schmerzsyndrom – CRPS“

Es kann sich aus einer Verletzung bzw. nach einer Operation an den Extremitäten entwickeln und zu einer massiven Beeinträchtigung führen.

Das CRPS wird in zwei Kategorien unterteilt. CRPS I ist das Bild welches früher mit dem Begriff „Morbus Sudeck“ bezeichnet wurde. Dabei ist keine Nervenläsion nachweisbar. CRPS II wurde früher als „Kausalgie“ bezeichnet und basiert eindeutig auf einer Nervenläsion. Die Begriffe CRPS I und II werden von der International Association for the Study of Pain (IASP) verwendet. Initial unterscheidet man auch ein sogenanntes „warmes“ CRPS (ca. 70% der Patienten) von einem bereits sofort auftretenden „kalten“ CRPS (ca. 30%). Die früher benutzten Stadien wie: inflammatorisches, dystrophes und atrophes Stadium werden aktuell nicht mehr benutzt.

Folgende Störungen kommen bei dem CRPS vor:

Autonome und trophische Störungen. Diese verursachen häufig Schwellungen, Temperaturunterschiede der Haut, Verfärbungen der Haut, Schweißstörungen (Hyperhidrose > Hypohidrose) sowie trophische Störungen von Haut, Haar und Nägel.

Schmerz und Sensibilitätsstörungen. Diese kann man nicht auf das Innervationsgebiet einzelner Nerven bzw. der Nervenwurzel begrenzen. Sie werden eher Strumpf- bzw. Handschuhförmig beschrieben. Häufig treten die Schmerzen spontan auf, mit einer tiefen brennenden, ziehenden bzw. stechenden Qualität. Stress, Anstrengungen, Temperaturveränderungen verstärken den Schmerz. Es entwickelt sich häufig eine Hyperalgesie bzw. Allodynie.

Motorische Veränderungen. Vielfach entstehen Kraftverlust, Verlust der Feinmototik sowie der Verlust der Beweglichkeit. Auch wird über eine Neglect-ähnliche Symptomatik berichtet. Myoklonien bzw. Dystonien können bei dem CRPS II mit auftreten.

Die Häufigkeit von CRPS wird unterschiedlich angegeben (z.B. von ca. 0,03% bis >30% nach Frakturen). Zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr wird das Auftreten von CRPS am meisten beobachtet. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Ebenso finden wir die CRPS wesentlich häufiger an der oberen Extremität als an der unteren.

Die Diagnose eines CRPS beruht auf den klinischen Symptomen. Oft wird die Diagnose erst durch Spezialisten in entsprechenden Schmerz- und/oder CRPS-Ambulanzen erstellt. Die IASP hat entsprechende Diagnosekriterien erstellt – die sogenannten Budapest-Kriterien. Diese kann man im Internet bzw. in den Fachpublikationen (siehe unten) nachsehen. Differenzialdiagnostisch muss das CRPS von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Entzündungen z.B. nach chirurgischen Eingriffen, thromboembolische Erkrankungen sowie Nervenkompressions- und Kompartmentsyndrome abgegrenzt werden.

Die Therapie wird individuell auf die Symptome des Patienten erstellt. Am besten wird eine multidisziplinäre Therapie durchgeführt. Dabei spielt die Physiotherapie bei der nichtmedikamentösen Therapie einen entscheidenden Faktor. Physiotherapeutische Übungen sollten möglichst bald erfolgen. Die Therapie erfolgt möglichst unterhalb der Schmerzgrenze, insbesondere im Frühstadium. Es sollten auch die proximalen Körperabschnitte berücksichtigt werden, da es hier durch Schonung der betroffenen Extremität zu einer Belastungverringerung dieser Körperstrukturen kommen kann. Eine zu intensive PT kann zu einer deutlichen Verschlechterung der CRPS führen. Unterstützt kann die PT durch Lymphdrainage, TENS und auf- bzw. absteigende Bäder werden. Im weiteren Verlauf der CRPS, der sogenannten Spätphase, kann durch Manuelle Therapie die Mobilisation der hypomobilen Gelenke durchgeführt werden. Als eine Bereicherung der Physiotherapie bei CRPS kann die Spiegeltherapie, das „graded motor imagery“ Programm und das „pain exposure physical therapy“ Programm durchgeführt werden. Diese Therapieformen haben vielversprechende Ansätze bei maladaptiven Schmerzmechanismen, da sich kortikal veränderte Präsentationen im S1-Kortex durch diese Therapien beeinflussen lassen. Es kommt zu einer Reorganisation dieser Kortexarealen. Neben der Physiotherapie wird als nichtmedikamentöse Therapie die Ergotherapie genannt.

Zusätzlich werden medikamentöse Therapien (Antiinflammatorisch, Antineuropathisch, Antioxidativ), Psychotherapie sowie invasiven Therapie (Sympathikusblockaden, „spinal cord stimulation“) beschrieben.

Matthias Zöller

Literatur:

  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom, C. Maihöfner MHBA in „Der Schmerz“ 3-2014 – 28:319-338, Springer-Verlag Berlin
  • Die Diagnose komplexes regionales Schmerzsyndrom, Patric Bialas in „Angew Schmerzther Palliativmed. 2013;6(3):28-33, Springer Medizin; Urban & Vogel GmbH
  • Komplexes Regionales Schmerzsyndrom (CRPS 1 und 2), Bernhard Stengg, Christine Prager, Kurt Ammer (Pain Care, 1060 Wien; Institut für Physikalische Medzin und Rehabilitation im Donauspital, 1220 Wien; Ludwig Biltzmann Forschungsstelle für Physikalische Diagnostik, 1140 Wien) – Internetpuplikation

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