22784724783_90c33178a9_k

„Therapieresistent“

Wenn beim chronischen Rückenschmerz der multimodale Therapieansatz versagt hat…die folgende Studie sorgte für Aufsehen!

Zielstellung der Studie: Untersuchung der Wirksamkeit von Antibiotika bei Patienten mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen (LBP), und bestehenden Modic type 1 Veränderungen im MRI – nach Bandscheibenhernie.  Knochenmarködeme an den Wirbelkörperendplatten werden im MRI als „Modic changes type 1-4“ klassifiziert. Solche Veränderungen gibt es häufiger bei Personen mit LBP – 46% im Vergleich zu 6% in der allgemeinen Bevölkerung.

Pathomechanismus: Im Alterungsprozess kalzifizieren die Endplatten der Wirbelkörper und die Struktur des Knochens verändert sich. Damit verändert sich die Kraftübertragung auf die Bandscheibe (BS). Durch Degeneration der BS (Dehydrierung, Hernie) verstärken sich die Scherkräfte auf die Endplatte, Mikrofrakturen und Fissuren können entstehen. Dies führt u.U. zu sichtbaren Veränderungen im MRI. Patienten mit solchen Veränderungen haben häufig höhere Werte von Entzündungsmediatoren (Rannou et al., 2007) und im Vorfeld eine BS Hernie. Die Ursache der knöchernen Veränderungen (Modic type I) sind Bakterien, meist Propionibakterium acnes.

Studiendesign: Die Untersuchung wurde als „double blind randomized clinical controlled trial“ in Dänemark durchgeführt. Eingeschlossen waren 162 Patienten mit BS Hernie L3-L4/L4-L5/L5-S1 innerhalb der letzten 6 bis 12 Monate. Alter: 18-65 Jahre.  Die Interventionsgruppe wurde mit Antibiotika behandelt, die Vergleichsgruppe mit einem Placebo.

Hypothese: Es liegt eine Infektion vor, die ein Knochenmarködem Modic type I verursacht.

Ergebnis: Die Auswertung erfolgte nach 100 Tagen, follow up nach 1 Jahr. Die Patienten der Interventionsgruppe erzielten eine signifikant größere Schmerzreduktion und waren im Alltag weniger eingeschränkt als die Vergleichsgruppe (LBP rating scale, Roland Morris Disability Questionnaire). Das Knochenmarködem verringerte sich in der Antibiotikagruppe signifikant.
Schlussfolgerung: Bei dieser Subgruppe von Patienten mit chronischem LBP und Knochenmarködem Modic type I, sollte der Einsatz von Antibiotika als Behandlungsoption in Betracht gezogen werden, sofern -nach Auftreten einer lumbalen Diskushernie- alle bisherigen therapeutischen Maßnahmen versagt haben.
Literatur:
Albert, H., Sorensen, J., Christensen, B., Manniche, C. (2013) Antibiotic treatment in patients with chronic low back pain and vertebral bone edema (Modic type I changes): a double-blind randomized clinical trial of efficacy. European Spine, 22: 697-707.

Leave a reply:

Your email address will not be published.

Site Footer