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Muskelkater versus Schweinehund

Diesen Werbeslogan habe ich letzten Herbst in Berlin gesehen. Geworben wurde für eine Fitnesskette. Ich fand es interessant, weil es bei mir die Frage aufwarf, ob die Angst vor dem Muskelkater weg ist, wo doch jahrelang gepredigt wurde, dass er zu vermeiden sei. Und was sagt die Wissenschaft dazu. Dem wollte ich auf den Grund gehen, da das Training auch ein wesentlicher Bestandteil der Manuellen Therapie im Kaltenborn-Evjenth-Konzept ist.

Interessante wissenschaftliche Studien habe ich im Buch „Muskelrevolution“ von Marco Toigo gefunden. Dieses Buch ist eine absolute Empfehlung für jeden, der ein optimiertes Training anbieten oder selbst durchlaufen möchte. Toigo rechnet mit Märchen ab und bringt dafür wissenschaftliche Fakten aus Muskelphysiologie, Traingslehre, Supplementierung usw.

Toigo erklärt, wie aus heutiger wissenschaftlicher Sicht Hypertrophie erreicht werden kann. In diesem Kontext wird das Thema Muskelkater besprochen.

Teilweise besteht noch die falsche Vorstellung, Muskelkater hätte mit Laktatansammlung in der Muskulatur nach intensivem Training zu tun . Dass dies nicht sein kann, sieht man alleine daran, dass der Muskelkater 2 bis 3 Tagen nach dem Trainingsende auftritt. Bis dahin ist das angesammelte Laktat längst verarbeitet. Der Muskelkater ist die Folge von Mikrotraumata, die im Muskelgewebe, genauer an den Z-Scheiben verursacht werden. Mikrotraumata verursachen Entzündungen, bei denen Entzündungsmediatoren freigesetzt werden die für das Schmerzempfinden zuständig sind.

Diese Tatsache ist schon länger bekannt. Traumata wurden allgemein als negativ angesehen, sodass die gängige Meinung war, ein Muskelkater kann zwar vorkommen, wäre aber nicht wünschenswert.

Hier bringt Toigo neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Durch den moderaten Entzündungsprozess werden Satellitzellen gebildet. Satellitzellen sind muskuläre Stammzellen. Der Zellkern befindet sich randständig in der bestehenden Muskelfaser. Sie sind nicht aktiv und beteiligen sich nicht an der DNA-Preskription, die im Zellkern der Muskelfaser bei der Erneuerung der Muskelproteine abläuft . Wird die Satellitzelle aktiviert, dann übernimmt diese Zelle die gleiche Funktion wie der Zellkern der bestehenden Muskelfaser und überschreibt das DNA. Muskelproteine werden angebaut und neue Fasern entstehen.

Auch wenn eine Zunahme von Sarkomeren in einer Muskelzelle bei ausreichender Belastung über  ausreichende Zeit zu Hypertrophie führt, scheint die auch Aktivierung der Stammzellen und dadurch die Erhöhung der Anzahl der Muskelzellen ein effizienter Weg zu Hypertrophie zu sein.

Der Muskelkater tritt vor allem dann auf, wenn mit hoher Belastung trainiert wird während der Muskel verlängert wird. Diese Trainingsform ist bekannt als exzentrisches Training bekannt, wird von Toigo als pliometrisches Training bezeichnet.

Damit der positive Regenerationsprozess nicht  in einen degenerativen Vorgang mit Verlust an Muskelmasse umschlägt, soll eine ausreichend lange Pause von bis zu zwei Wochen eingehalten werden, bevor erneut mit einer gleich starken Belastung trainiert wird.

Fazit für die Praxis: Keine Angst vor dem Muskelkater. Wenn articuläre Strukturen es erlauben, kann man ihn im Training sogar geplant einsetzten, um schneller zum Muskelzuwachs zu gelangen!

MSC in Rehabilitation Sciences and Physiotherapie, PT-OMT, arbeitet als Manualtherapeut mit Schwerpunkt Kinder und unterrichtet Manuelle Therapie nach Kaltenborn-Evjenth

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