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Meniskus-Tests – Nicht ohne Thessaly

Meniskus-Provokationstests sind essentieller Bestandteil der körperlichen Untersuchung in der Manuellen Therapie, doch wie sieht es mit der Validität, Sensibilität und Spezifität aus? Gibt es einen Test, der einfach durchzuführen ist und aussagekräftig ist?

Während der McMurray-Test, der Apley-Test, der Joint-Line Tenderness Test und der Steinmann Test häufig als Provokationstests angewendet werden, hat sich mittlerweile auch der Thessaly Test im Praxisalltag etabliert und wird häufig in der Literatur empfohlen. Aus diesem Grund hat J. Velte im Januar 2015 einen Artikel zu dessen Diagnosegenauigkeit in der PT -Zeitschrift für Physiotherapeuten veröffentlicht. Der Thessaly-Test sticht vor allem durch seine einfache und schnelle Ausführung hervor. Andere Meniskus-Provokationstests setzen deutlich mehr Erfahrung voraus. Der Thessaly-Test wurde 2005 von Karachalios et al. veröffentlicht und wird im Einbeinstand mit einer Flexion im Kniegelenk von 20° durchgeführt. Bei fest stehendem Fuß dreht der Patient seinen Körper drei Mal nach rechts und links, indem ein Beim zuerst vor und dann hinter den Körper geführt wird. Währenddessen wird der Patient von dem Therapeuten gestützt und an den Händen gehalten. Der abgehobene Fuß sollte dabei den Boden kaum oder besser gar nicht berühren. Die Provokation der Menisken erfolgt durch die erzeugte Innen- bzw. Außenrotation im Standbein. Idealerweise wird der Test zunächst mit dem nicht betroffenen Bein durchgeführt, um die Bewegung zu schulen. Der Test ist als positiv zu werten, wenn bei dessen Durchführung Schmerzen auftreten, die verbunden mit einem Schnappen oder Blockierungsgefühl typische klinische Zeichen einer Meniskusläsion darstellen. Der Thessaly-Test weist nach Karachalios et al. 2005 sowohl eine gute Validität für den Innen- und Außenmeniskus auf als auch laut Literaturrecherche von J. Velte eine gute Sensitivität und Spezifität. Eine hohe Sensitvität bedeutet in diesem Fall, dass ein positives Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Meniskusläsion hindeutet bzw. ein negatives Ergebnis ausgeschlossen werden kann. Der Thessaly-Test kommt damit zu einem richtig positiven sowie zu einem richtig negativen Ergebnis. Eine hohe Spezifität bedeutet hier, dass der Thessaly-Test eine Meniskus-Läsion auch als solche identifiziert.

Bei einer zusätzlichen VKB-Ruptur ist der Thessaly-Test laut Mirzatoloolei et al. 2010 allerdings weniger spezifisch.

Nach Konan et al. 2009 zeigt der Thessaly-Test jedoch nicht alleine, sondern nur in Kombination mit dem Joint-Line-Tenderness-Test und dem McMurray-Test eine gute diagnostische Genauigkeit.

Der Joint-Line-Tenderness-Test wird laut Literatur in 90 Grad Flexion durchgeführt. Während das Knie nach innen und außen rotiert wird, werden die jeweiligen Menisken im medialen und lateralen Kniegelenkspalt palpiert. Tritt dabei ein Schmerz auf, gilt der Test als positiv. Beim McMurray-Test wird das Kniegelenk maximal gebeugt und bis 90 Grad unter Innenrotation mit Varusstress und Außenrotation mit Valgusstress bewegt. Treten dabei die o.g. charakteristische klinische Zeichen einer Meniskuspathologie auf, gilt dieser als positiv (Diemer und Sutor 2005).

Beim Apley-Test wird das Kniegelenk in Bauchlage unter Kompression in verschiedenen Flexionsgraden rotiert und somit o.g. charakteristische Schmerzen provoziert (Strobel und Eichhorn 1995). Alle drei Tests an sich weisen in einem Review von Meserve et al. 2008 eine gute Sensitivität und Spezifität auf.

Blyth et al. kommen jedoch 2015 in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass die Senistivität und Spezifität sowohl des Thessally- als auch des Joint-Line-Tenderness, McMurray und Apley-Tests keine signifikanten Ergebnisse aufweisen und den `Goldstandard`, das MRT, damit nicht ersetzen können (Blyth et al. 2015). Interessant ist allerdings, dass der Thessaly-Test eine schlechtere Spezifität und diagnostische Genauigkeit zeigt, wenn er von Hausärzten oder Physiotherapeuten ohne Spezialisierung in einem Fachgebiet durchgeführt wird, als wenn die Durchführung durch einen Unfallchirurgen oder Physiotherapeuten erfolgt, der auf das Kniegelenk spezialisiert ist.

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