Function Movement Screen

Functional Movement Screen – Teil I

Der amerikanische Physiotherapeut Gray Cook der u.a. Profisportler aus den Sportarten Basketball, American Football, Golf und Tennis betreut hat in Zusammenarbeit mit Dr. Lee Burton 1997 das Functional Movement Screen (FMS) entwickelt. Ziel war es Schwächen am Bewegungsapparat frühzeitig zu erkennen, zu behandeln und somit Sportler vor Verletzungen zu schützen. Ebenso können Bewegungsabläufe gestört sein, obwohl alle notwendigen Muskeln und Gelenke isoliert problemlos funktionieren. Vor allem im Sport sind aber die komplexen Bewegungsabläufe entscheidend. Diese können durch das FMS untersucht werden. Der Test ist ursprünglich für gesunde Sportler konzipiert, kann aber während der Durchführung auch bewegungsassozierte Schmerzen aufdecken.

 

Der Vorteil des FMS ist, dass die Testübungen schnell ausführbar (10-15 Minuten), ohne viele Hilfsmittel durchgeführt werden können und durch ein Punktesystem einfach zu beurteilen sind.

 

Der FMS besteht aus den folgenden sieben Übungen. Wobei drei der Übungen im Anschluss noch einen sogenannten Clearing Test enthalten. Dabei sollen evtl. vorhandene Schmerzen aufgedeckt bzw. provoziert werden. Die Wiedergabe der Durchführung und Auswertung der Übungen orientieren sich an dem Artikel „Testbatterie für Aktive – Functional Movement Screen“ von Schmidtlein et al. (2013), welcher in der Physiopraxis erschienen ist.

1. Deep Squat (Tiefe Kniebeuge)

Getestet wird die symmetrische Mobilität der Hüft-, Knie- und Sprunggelenke sowie die beidseitige Mobilität der Schultergelenke und der BWS.

ASTE: Aufrechter Stand und die Füße stehen parallel. Der Sportler hält einen Stab mit beiden Händen in maximaler Schulterelevation über dem Kopf.

Bewegung: Es wird eine tiefe Kniebeuge ausgeführt. Dabei belässt er den Stab mit gestreckten Armen über den Kopf.

ESTE: Der Sportler befindet sich in der tiefen Kniebeuge, der Rücken ist gerade, die Fersen sind am Boden. Beide Arme halten den Stab gestreckt über dem Kopf. Die Nasenspitze steht auf gleicher Höhe wie die Patella, beide Arme sind maximal parallel eleviert, die Wirbelsäule befindet sich parallel zu den Tibiakanten.

 

2. Hurdle Step (Schritt über eine Hürde)

Untersucht die bilaterale Mobilität und Stabilität der Hüft-, Knie und Sprunggelenke; Stabilität vom Becken und Rumpf, sowie den Einbeinstand.

ASTE: Stand, die zu übersteigende Hürde ist auf Höhe der Tuberositas tibiae positioniert. Der Sportler hält beidseits einen Stab, der auf seinen Schultern liegt. Dieser dient dazu, die Armhaltung beim Test zu standardisieren. Dem Tester gibt er hinsichtlich der Übungsausführung eine zusätzliche Orientierung.

Bewegung: Der Sportler übersteigt die Hürde mit einem Bein und tippt mit der Ferse auf den Boden, ohne die Hürde zu berühren und ohne das Bein zu belasten. Dann führt er das Bein wieder zurück. Der Oberkörper bleibt senkrecht, der Stab entsprechend permanent parallel zum Boden.

ESTE: Wie ASTE. Anschließend wird der gleiche Test mit dem anderen Bein durchgeführt.

 

3. In-Line Lunge (Ausfallschritt auf einem Balken)

Getestet wird die beidseitige Mobilität und Stabilität der gesamten unteren Extremität, sowie die laterale Rumpfstabilität.

ASTE: Stand auf einem Messbrett, ein Bein steht vorne. Der Abstand zwischen den Füßen entspricht dem gleichen Abstand wie beim Hurdle Step (vom Boden zur Tuberositas tibiae). Zur Teststandardisierung wird ein Stab mit einer Hand von oben und der anderen Hand von unten längs der Wirbelsäule gehalten.

Bewegung: Der Sportler beugt die Kniegelenke und neigt den Oberkörper leicht nach vorne. Der Stab hält Kontakt zum Hinterkopf, der BWS und des Sakrums.

ESTE: Das hintere Kniegelenk berührt die Messlatte, die Wirbelsäule ist gestreckt und leicht nach vorne geneigt, die drei Körperteile haben Kontakt zum Stab. Anschließend wechselt der Sportler die Seite.

 

4. Shoulder Mobility (Schulterbeweglichkeit)

Begutachtet wird die Mobilität beider Schultergelenke und der Skapula, als auch die Extensionsfähigkeit der BWS.

ASTE: Der Tester misst den Abstand zwischen Handgelenksfalte und Spitze des Mittelfingers als Referenzwert. Dann streckt der Sportler beide Arme horizontal zur Seite und macht eine Faust, die Daumen sind dabei innen.

Bewegung: Der Sportler bewegt seine Fäuste hinter den Rücken. Eine von oben (Abduktion-Außenrotation) und die andere von unten (Adduktion-Innenrotation).

ESTE: Der Sportler bringt beide Fäuste so weit wie möglich hinter dem Rücken zusammen. Es wird der kürzeste Abstand zwischen beiden Fäusten gemessen. Um einen Wert von 3 zu bekommen, muss der Abstand kleiner als der Referenzwert sein.

Nach dieser Übung führt der Sportler einen Clearing-Test durch. Dazu legt er eine Hand auf die gegenüberliegende Schulter und bewegt dann den gebeugten Ellenbogen jeweils soweit es geht in Richtung Bauch und Kopf. Treten dabei Schmerzen auf, wird dieser Test mit 0 Punkten gewertet und eine klinische Untersuchung empfohlen.

 

5. Active Straight-Leg Raise (Anheben des gestreckten Beines)

Überprüft wird die Mobilität der dorsalen Oberschenkel- und der Wadenmuskulatur bzw. der ventralen Oberschenkelmuskulatur der Gegenseite, ebenso wie die Stabilität des Rumpfes.

ASTE: Rückenlage, die Kniekehlen liegen auf dem Messbrett, die Arme sind gestreckt und die Handrücken befinden sich auf dem Boden.

Bewegung: Der Sportler hebt ein Bein mit gestrecktem Kniegelenk so weit wie möglich an. Das andere Bein soll den Kontakt zum Messbrett beibehalten. Beide Füße sind dabei in Dorsalflexion. Drei Punkte gibt es, wenn der Sportler das Bein so weit abheben kann, dass das Lot des medialen Malleolus die Mitte des Abstandes vom Kniegelenkspalt zu den SIAS des liegenden Beines überschreitet.

 

6. Trunk Stability Push-up (Rumpfstabilitätsliegestütz)

Ermittelt wird die Stabilität der Körpermitte und der Wirbelsäule.

ASTE: Bauchlage, die Hände sind aufgestützt. Die Hände sind so positioniert, dass die Daumen bei Männern auf Stirnhöhe nach innen zeigen und bei Frauen auf Kinnhöhe.

Bewegung: Der Sportler drückt sich mit beiden Armen nach oben. Brust und Taille heben gleichzeitig ab, der Oberkörper hängt nicht durch. Dabei schieben die Füße nicht nach vorne und die Hände wandern nicht nach hinten.

ESTE: Liegestütz mit gestreckten Ellenbogen und stabilem Rumpf.

Nach der Übung führt der Sportler wieder einen Clearing-Test durch. Dabei stützt er sich aus Bauchlage in maximale LWS-Extension, wobei das Becken liegen bleibt. Treten dabei Schmerzen auf, wird dieser Test mit 0 Punkten gewertet und eine klinische Untersuchung empfohlen.

 

7. Rotary Stability (Rotationsstabilität)

Untersucht wird die mehrdimensionale Stabilität des Rumpfes.  Wobei der Oberkörper das Gleichgewicht hält, während Arme und Beine komplexe Bewegungen ausführen.

ASTE: Vierfüßlerstand. Ein Messbrett liegt längs unter dem Rumpf, Hände und Kniegelenke berühren dieses jeweils von der Seite.

Bewegung: Der Sportler streckt Arm und Bein der gleichen Seite aus, führt dann Knie- und Ellenbogengelenk zusammen und streckt diese danach wieder aus. Arm und Bein bleiben dabei stets über dem Brett.

ESTE: Vierfüßlerstand. Anschließend macht der Sportler den Test mit der anderen Seite.

Nach der Übung findet ebenfalls wieder ein Clearing-Test statt. Er setzt sich aus dem Vierfüßlerstand zurück auf seine Fersen, flektiert die LWS maximal und hält diese Position kurz. Treten dabei Schmerzen auf, wird dieser Test mit 0 Punkten gewertet und eine klinische Untersuchung empfohlen.

Diese sieben Übungen des FMS werden mittels eines Punktesystems dokumentiert (FMS Score). Für jede Übung werden dabei maximal drei Punkte vergeben:

Ausführung Punkte
Komplette Bewegung ohne Kompensation 3
Komplette Bewegung mit Abweichungen oder Kompensation 2
unvollständige Bewegung 1
Schmerzen beim „Clearing Test“ oder während des Testes 0

 

Somit können insgesamt maximal 21 Punkte erreicht werden. Bei den Übungen, wo eine Ausführung mit der rechten und linken Seite stattfindet wird bei nicht vorliegender Symmetrie der schlechtere Wert von beiden notiert.

Schmidtlein et al. (2013) gehen in Ihrem Artikel überhaupt nicht darauf ein, wie das Ergebnis der Bewertungsskala interpretiert wird. Er gibt keine Informationen, ab wann Abweichungen vorliegen bzw. ab wann eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit zu erwarten wäre. In Teil II. zum FMS wird es darum um die Evidenz dieses Testverfahrens gehen.

 

Literatur:

Schmidtlein O, Keller M, Kurz E.

Testbatterie für Aktive.

Physiopraxis 2013; Ausgabe 4 (11 Jahrgang): 26-29.

Titelbild:
Pexel — https://www.pexels.com/photo/sport-stadium-ball-game-35655/

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