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Das klinische Handeln verbessern – Mentored Clinical Practice in der OMT – Weiterbildung

Die Orthopädisch Manuelle Therapie eine Spezialisierung innerhalb der Physiotherapie mit international gültigen Standards ist ein Konzept, dass sich mit der Untersuchung und Behandlung des Bewegungsapparates nach dem biopsychosozialen Krankheitsmodell beschäftigt (Schomacher 2011). Sie baut vertiefend und kenntnissausbauend auf das manualtherapeutische Wissen auf.

Wie bereits in meinem letzten Blog beschrieben, ist der Clinical Reasoning Prozess ein zentrales Element des klinischen Handelns. Die reflektierte Durchführung von Denk- und Entscheidungsprozessen ermöglicht es Therapeuten, klinische Maßnahmen auf die persönlichen Ziele, Wünsche und Möglichkeiten von Patienten abzustimmen, sie begründet einzusetzen und kritisch zu reflektieren (Klemme und Siegmann 2006). Ein zentrales Ziel ist das gemeinsame (Patient/Therapeut) Erkennen und Verstehen von Zusammenhängen des klinischen Problems, um die für den Behandlungserfolg günstigsten Maßnahmen zu bestimmen (Scheibler und Pfaff 2003). Im Behandlungsverlauf führt der Clinical Reasoning Prozess zu einer ständigen Anpassung der Maßnahmen an die aktuelle Situation und damit zur Optimierung der Therapie (Klemme und Siegmann 2006).

Um das klinische Handeln zu verbessern, müssen die Prozesse in einem praktischen und realitätsnahen Kontext geübt werden. Diese Möglichkeit bietet der klinische Unterricht am Patienten – Mentoren Clinical Practice (MCP), als ein Teil der OMT Weiterbildung.
Das MCP ist ein individuelles „Coaching – Mentoring“ eines Therapeuten, während der Untersuchung und Behandlung eines Patienten, durch einen fachlich befähigten Mentor.
Die Schwerpunkte liegen in der praktischen Anwendung des Clinical Reasoning im Rahmen des biopsychosozialen Krankheitsmodells (ICF), in der patientenzentrierten Umsetzung des Untersuchungs- und Behandlungsprozederes, genauer im Sammeln von Befunden, deren Beurteilung, der Planung, der physiotherapeutischen Diagnose und der daraus folgenden Therapie. Weiterhin spielen die exakte Dokumentation von Befund und Behandlungsverläufen, die Optimierung der Ausführung von Behandlungstechniken und deren Progression, die richtige Anwendung von geeigneten Assessmentverfahren zur Überprüfung und Anpassung der Therapie sowie das evidenzbasierte Handeln, eine wichtige Rolle.

In der zwischen 2 uns 2 1/2 Jahre dauernden OMT – Weiterbildung sind für das MCP – Modul insgesamt 3 Teilblöcke von jeweils 1 Woche klinischer Unterricht vorgesehen.
Dieser findet in Kleingruppen mit maximal 4 Teilnehmern und einem Clinical Mentor in dafür geeigneten Einrichtungen (Praxen, Kliniken) statt. Diese organisieren die freiwillige Teilnahme von Patienten, die verschiedenartige Probleme am Bewegungsapparat aufweisen. Jeder Teilnehmer untersucht und behandelt mindestens zwei Patienten pro Tag, dabei kann es sich um Erst- sowie Folgekontakte handeln. Für jeden Patientenkontakt stehen zwischen 45 und 60 min Behandlungszeit zur Verfügung, damit ein unmittelbares Feedback durch den Mentor möglich ist. Das klinische Vorgehen und Handeln wird aber auch in Gruppen -, Paar – und Peer – Diskussionen sowie schriftlich beurteilt und reflektiert.
Der Lerneffekt bei dieser Form des praxisorientierten Unterrichts ist sehr hoch und jeder einzelne Teilnehmer der Gruppe kann davon sehr profitieren. Leider findet diese Art des Unterrichts in Deutschland nur selten statt. Eine Weiterbildung in OMT bei der Deutschen Gesellschaft für Orthopädischer Manueller Therapie (DGOMT) bietet diese herausfordernde, aber lohnende Möglichkeit. Diese wird in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg und der Hochschule Furtwangen angeboten.
Sie setzt sich aus zwei Theoriemodulen (Universität Freiburg / Hochschule Furtwangen), fünf Praxismodulen und der Supervision (Mentored clinical practice – MCP) zusammen. Dabei können insgesamt 70 ECTS Punkte gesammelt werden, die Voraussetzung für die Zulassung zum OMT – Abschlussexamen sind.
Physiotherapeuten, die die Internationale Weiterbildung erfolgreich absolviert haben, können diese auf den Masterstudiengang „Interdisziplinäre Gesundheitsförderung“, den die Universität Freiburg und die Hochschule Furtwangen ab dem Wintersemester 17/18 anbieten, angerechnet bekommen.
Der Masterabschluss ist allerdings nur für Personen mit abgeschlossenem Bachelorstudium möglich. Dazu sind zunächst ein Modul wissenschaftliches Arbeiten sowie ein Praktikum abzuschließen, bevor die Masterthesis mit den dazugehörigen Prüfungen absolviert werden kann. Nach drei bis fünf Jahren (frei wählbar, da berufsbegleitend) erreichen Sie dann den Abschluss Master of Science in „Interdisziplinärer Gesundheitsförderung“ mit dem Schwerpunkt Biomechanik, Gesundheitsdiagnostik und Orthopädischer Manueller Therapie.

https://www.flickr.com/photos/otacke/

Literatur

Klemme B, Siegmann G. Clinical Reasoning – Therapeutische Denkprozesse Lernen. Stuttgart-New York: Georg Thieme Verlag 2006.

Scheibler F, Pfaff H. Shared-Desicion-Making. Der Patient als Partner im medizinischen Entscheidungsprozess. Weinheim: Juventa 2003.

Schomacher J. Manuelle Therapie: Bewegen und Spüren Lernen. 5. Aufl. Stuttgart – New York: Georg Thieme Verlag 2011.

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