Landeshauptstadt Stuttgart

10. Physiokongress in Stuttgart – ein Bericht des 1. Kongresstages

Vom 29. bis 31. Januar 2016 fand der 10. Physiokongress des Georg Thieme Verlags auf der TheraPro, mit interessanten Vorträgen rund um die Physiotherapie, statt. Eine gute Gelegenheit sich fachlich auf den neuesten Stand zu bringen.

In den Hallen des Internationalen Congesscenters in Stuttgart wurde dazu ein vielfältiges Programm zu den Themen musculoskeletale Therapie und Neurorehabilitation geboten. Die diesjährigen Schwerpunkte im Bereich der musculoskeletalen Therapie waren zum einen die Physiotherapie bei Schmerzpatienten und zum anderen die Professionalisierung für den Direktzugang. Dazu wurden mehrere Module mit aktuellen Themen, wie z.B. Kompressionsneuropathien, Verkauft wird durch Kommunikation, Schmerzpatienten verstehen und behandeln, Patientenscreening und Assessments in der Physiotherapie, angeboten. Die Thieme Verlagsgruppe konnte dazu zahlreiche namhafte Experten, aus den Bereichen Physiotherapie, Neurowissenschaften und Recht, als Sprecher gewinnen.
Dr. Annina Schmid, die als Neurowissenschaftlerin an der University of Oxford arbeitet und forscht, referierte in Ihrem spannenden Vortrag über Ihre aktuellen Ergebnisse zum Thema der Kompressionsneuropathien. Sie zeigte u.a., dass die Untersuchung der Nervenleitung nicht nur aus der Testung der dick myelinisierten Nervenfasern bestehen sollte, denn Berührung, Kraft und Reflexe sind alles Qualitäten, die über A-Beta Fasern nach zentral geleitet werden. Diese repräsentieren aber nur 20% des peripheren Nervensystems, damit kann nach einer negativen Untersuchung nicht automatisch auf eine nicht Beteiligung des Nervensystems geschlussfolgert werden. Für eine genaue Interpretation ist deshalb eine quantitative Testung der dünnen (un-) myelinisierten Fasern (warm, kalt, Spitzempfinden), die 80% des peripheren Nervensystems ausmachen, unabdingbar.
Schließe Tests für die dünnen Fasern (Pin Prick, thermale Tests) in die neurologische Untersuchung ein!

Dr. Uwe Schlegel, Rechtsanwalt aus Köln, zeigte den anwesenden Physiotherapeuten mit Witz und scharfer Zunge, dass die Kommunikation ein elementarer Baustein in der Entwicklung einer guten therapeutischen Beziehung zwischen Patient und Therapeut ist. Dabei betonte er die Wichtigkeit eines optimistischen Auftretens mit Hilfe der Stimme und der Körperhaltung.
Entscheidend ist nicht das Was, sondern das Wie!

Auch Dr. Peter Oesch, Physiotherapeut in Valens in der Schweiz, unterstrich in seinem Vortrag über physiotherapeutische Assessments die enorme Bedeutung einer guten therapeutischen Beziehung im Hinblick auf das Behandlungsresultat. Dazu ist die Auswahl von Assessments notwendig, die die Erwartungen und Ziele der Patienten berücksichtigen. Die Grundlage dafür ist die Einbeziehung der Patienten in die therapeutischen Entscheidungsfindungsprozesse. Assessments die die Patientenperspektive betrachten sind u.a. das Patienteninterview, die Goal attainment scale (GAS) und der Health Assessment Questionnaire (HAQ).
Patienten wollen mitentscheiden, was mit Ihnen in der Therapie passiert!

In einer Podiumsdiskussion, mit Physiotherapeuten aus dem Ausbildungs-, Klinik- und Forschungsbereich, zum Thema Direktzugang, wurde über die Voraussetzungen sowie Rechte und Pflichten gesprochen. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass der Direktzugang für Physiotherapeuten kommen soll, dabei ist nicht mehr die Frage ob, sondern nur noch wann die Entscheidung zu Gunsten der Physiotherapeuten fällt. Gleichzeitig müssen aber auch noch einige Voraussetzungen, wie die Vermittlung rechtlicher Grundlagen und Screeningverfahren , die dem Therapeuten helfen Kontraindikationen für Bewegungstherapie erkennen zu können, geschaffen werden. Dazu müssen die Inhalte in die Aus- sowie für erfahrene Kollegen, in die Fort- und Weiterbildung einfließen, so die Podiumsgäste. Wenn die gesetzlichen Grundlagen geschaffen sind, sollen sowohl Physiotherapeuten mit als auch ohne akademischen Abschluss den Direktzugang erhalten können. Dr. Claus Beyerlein schlägt dazu ein Task Force vor, bei der Therapeuten die den Direktzugang möchten eine Prüfung (c.a. 3 Tage) ablegen müssen.
Der Direktzugang für Physiotherapeuten wird kommen, es ist nur noch eine Frage der Zeit!

Damit ging ein spannender Tag mit vielen interessanten Eindrücken zu Ende.

Ich wünsche Euch eine schöne Frühlingszeit und einen noch schöneren Sommer!

Euer Ronny Petzold

Bild: pilot_micha@flickr

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