Dorsale-Schuluterinstabilitaet

Wunderheilung bei dorsaler Schulterinstabiltät?

An Wunder glauben die meisten Menschen heute nicht mehr. Schaut man sich aber die neue Idee der Behandlung von dorsalen Schulterinstabilitäten an, könnte man eines Besseren belehrt werden.

Worum geht es?

Die dorsalen Schulterinstabilitäten haben eine Prävalenz von 0,05% (Hovelius CORR 1982). Sie betreffen junge Erwachsene und Teenager, deren Hauptproblem die funktionelle Einschränkung darstellt. Die funktionelle Komponente beträgt 46% aller Schulterinstabilitäten (Malone et al. BJJ 2015).Sie wird durch eine Unterfunktion der Rotatorenmanschette und periskapulären Muskulatur verursacht.

Therapie: Die OP ist bei oben genannten Patienten nicht indiziert und führt nicht zur Stabilisierung des Gelenkes, sondern stattdessen verschlechtern sich Schmerzen und Funktion zusätzlich. Physiotherapie ist bisher die beste Option, wenn auch nicht immer erfolgreich (Takewale et al. JBJS Br 2000, Jaggi und Lambert BJSM 2010, Moroder et al.2017. Philipp Moroder, Sektionsleiter Schulter- und Ellbogenchirurgie in der Charité hatte die Idee der Muskelstimmulation per Elektrotherapie – ein sogenannter Schulterschrittmacher: PACEMAKER. Der Strom ist ein gewöhnlicher Muskelreizstrom (30 Hz sind vom Gerät vorgegeben). Nach den ersten positiven Erfolgen mit unseren Standardgeräten hat eine Firma ein kleines portables Gerät zur Verfügung gestellt, so dass die Patienten sich damit bewegen und trainieren konnten. Die Klebeelektroden wurden in Höhe des M. infraspinatus und der Rhomboiden befestigt, die Milliampere Zahl wurde individuell gewählt.

Studie: Dr. Moroder´s Studie beinhaltet eine Negativselektion: Es wurden 23 Patienten mit dorsaler Schulterluxation im Alter von 15-31 Jahren eingeschlossen. Das MRT dieser Patienten zeigte keine strukturellen Defekte an der Schulter, die Luxation zeigte sich unter Bewegungsaufnahmen im Bildwandler. Alle Patienten waren austherapiert, das heißt Physiotherapie und auch Operationen waren erfolglos. Das Training bestand aus einer elektrischen Muskelstimmulation während konzentrischer, exzentrischer und funktioneller Übungen. Der Zeitraum der Studie betrug drei Wochen, jeweils drei Einheiten von einer Stunde pro Woche.

Ergebnisse: Alle Patienten zeigten positive Ergebnisse und es kam zu keinen Schulterluxationen mehr. Einige Patienten hatten nach der ersten Elektrobehandlung keine einzige Luxation mehr und konnten in ihre Sportart zurückkehren. Alle Patienten wurden neben  Fragebögen mit Video dokumentiert. Sieht man sich diese Videos an, könnte man wieder an Wunder glauben! Eine sehr beeindruckende Wirkung, die sich bisher nicht erklären lässt. Doch wie lange hält dieser Effekt an? Die Halbjahresergebnisse zeigen bei insgesamt 14 Patienten in 21 Fällen gute WOSI (Western Ontario Shoulder Instability Score) und ROWE – Scores. Es lässt vermuten, dass es zu einer Umprogrammierung eines pathologischen Musters kommt, denn Muskeln können nach einmaliger Anwendung noch nicht hypertrophieren. Demnächst werden die Jahresergebnisse publiziert.

Fazit: Der Schulterschrittmacher ist durch Stimulation hypoaktiver Muskelgruppen in der Lage, die Stabilität bei Patienten mit funktioneller Schulterinstabilität erfolgreich wiederherzustellen.

Es bleibt spannend, ob man den Schulterschrittmacher auch auf andere Diagnosen der Schulter anwenden kann!?

Referenzen:

  1. Takwale VJ, Calvert P, Rattue H. Involuntary positional instability of the shoulder in adolescents and young adults. Is there any benefit from treatment? The Journal of bone and joint surgery British volume. 2000 Jul;82(5):719-23. Epub 2000/08/30.
  2. Kuroda S, Sumiyoshi T, Moriishi J, Maruta K, Ishige N. The natural course of atraumatic shoulder instability. Journal of shoulder and elbow surgery / American Shoulder and Elbow Surgeons [et al]. 2001 Mar-Apr;10(2):100-4. Epub 2001/04/18.
  3. Jaggi A, Lambert S. Rehabilitation for shoulder instability. British journal of sports medicine. 2010 Apr;44(5):333-40. Epub 2010/04/08.
  4. Jaggi A, Noorani A, Malone A, Cowan J, Lambert S, Bayley I. Muscle activation patterns in patients with recurrent shoulder instability. International journal of shoulder surgery. 2012 Oct;6(4):101-7. Epub 2013/03/16.
  5. Escamilla RF, Andrews JR. Shoulder muscle recruitment patterns and related biomechanics during upper extremity sports. Sports medicine (Auckland, NZ). 2009;39(7):569-90. Epub 2009/06/18.
  6. Bitter NL, Clisby EF, Jones MA, Magarey ME, Jaberzadeh S, Sandow MJ. Relative contributions of infraspinatus and deltoid during external rotation in healthy shoulders. Journal of shoulder and elbow surgery / American Shoulder and Elbow Surgeons [et al]. 2007 Sep-Oct;16(5):563-8. Epub 2007/06/15.
  7. Burkhart SS, Morgan CD, Kibler WB. The disabled throwing shoulder: spectrum of pathology Part III: The SICK scapula, scapular dyskinesis, the kinetic chain, and rehabilitation. Arthroscopy : the journal of arthroscopic & related surgery : official publication of the Arthroscopy Association of North America and the International Arthroscopy Association. 2003 Jul-Aug;19(6):641-61. Epub 2003/07/16.

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