Studiendesign

Studiendesign zur Überprüfung der segmentalen Beweglichkeit in der Lendenwirbelsäule

Für einen erfolgreichen Abschluss des Master-Studienganges „Muskuloskelettale Physiotherapie“ an der Donau Universität Krems muss eine Masterarbeit geschrieben werden. Dabei entschied ich mich für eine empirische Studie. Der Titel meiner Arbeit lautete:

Intertester-Reliabilität einer Kombination mehrerer manualtherapeutischer segmentaler Beweglichkeitstests: In Gegenüberstellung mit einem Test zur Identifikation einer Hypomobilität im Bereich der Lendenwirbelsäule.“

Nun würde es hier den Rahmen sprengen, alle Details dieser Arbeit wiederzugeben. Deshalb werde ich mich lediglich auf mein Studiendesign beziehen. Möglicherweise gibt es anderen eine Anregung zur Umsetzung einer ähnlichen Studie oder einer Verbesserung der von mir verwendeten Methodik.

Segmentale Beweglichkeitstests in der Lendenwirbelsäule wurden schon häufig auf ihre Intertester-Reliabilität untersucht. Dabei wurde überwiegend eine schlechte bis mäßige Übereinstimmung zwischen den Untersuchern festgestellt. Indes wurde bis zu dem Zeitpunkt der Anfertigung meiner Arbeit noch keine empirische Studie zu einer Kombination segmentaler Beweglichkeitstests durchgeführt und überprüft, ob diese eine höhere Intertester-Reliabilität zeigen würde. In meiner Studie wurde die Intertester-Reliabilität zur Identifikation einer Hypomobilität in der Lendenwirbelsäule untersucht. Das Design entspricht einer randomisierten, einfach verblindeten, prospektiven, monozentrischen, klinischen und experimentellen Pilotstudie.

Es wurden 22 a-symptomatische Probanden von vier Manualtherapeuten untersucht. Um zumindest einem „Goldstandard“ für eine eindeutige Hypomobilität als Grundlage für meine Untersuchung möglichst nahe zu kommen, wurden ausschließlich Patienten rekrutiert, welche in der Vorgeschichte eine monosegmentale operative Fusion in der LWS erhalten hatten.

Vor Beginn der Untersuchung wurde die gesamte LWS mittig mit einem hautfarbenen Kinesiotape ohne Zug abgeklebt. Dies geschah mit dem Ziel, die Operationsnarbe zu verbergen und jegliche Hinweise auf die Operationshöhe zu vermeiden. Der 12. Brustwirbel wurde sichtbar auf dem Dornfortsatz markiert, um sicherzustellen, dass alle Untersucher im gleichen Segment anfingen zu untersuchen bzw. zu testen.

Unter Schwarzlicht wurden alle Lendenwirbel (von L1 bis L5) punktuell mit einem UV-Stift (Farbe weiß) auf dem Dornfortsatz markiert.

Im Anschluss begann die eigentliche Untersuchung. Zwei Therapeuten führten eine Testkombination (UG 1) und zwei Therapeuten einen einzelnen Test (UG 2) durch. Ziel war es, das Segment zu identifizieren, welches die geringste Beweglichkeit aufwies.

Die zwei Therapeuten in der UG 1 ermittelten das hypomobilste Segment mittels sechs nacheinander ausgeführten segmentalen Beweglichkeitstests in Kombination aus dem Kaltenborn Evjenth Konzept. Diese waren Traktion, Flexions- und Extensionstest, Springing Test, Kraniale und Kaudaler Wirbel nach ventral.

Die beiden Therapeuten der UG 2 praktizierten dazu nur einen Test. Dabei entschied ich mich für den Springing Test, da dieser in der Literatur noch nicht so häufig untersucht wurde wie die anderen Tests. Alle Tests wurden passiv beginnend vom Segment L1 bis L5 ausgeführt.

Nach der Untersuchung und zur Dokumentation markierten alle Manualtherapeuten mit einem UV-Stift (verschiedenfarbig) auf dem Tape das Segment intersegmental, welches für sie die geringste Beweglichkeit aufwies. Ich entschied mich für diese Methodik, um Abweichungen zwischen den Untersuchern bei der Segmenthöhenbestimmung im Gegensatz zur identifizierten Literatur, in der die Validität und Reliabilität meist schlecht abschnitten, zu vermeiden. Durch den Einsatz von UV-Stiften konnte im Gegensatz zu früheren Studien verhindert werden, dass es Varianzen bei der Bestimmung der Segmenthöhe gab.

Nach der Untersuchung aller vier Probanden wurde abschließend das Dokumentationsergebnis per Schwarzlichtlampe sichtbar gemacht. Das sichtbare Ergebnis wurde im Beisein eines unabhängigen Dritten auf einem Untersuchungsprotokoll dokumentiert. Für die Dokumentation wurde die gleiche Ausgangsstellung und Unterlagerung benutzt, welche schon zum Anfang zur Präparation verwendet wurde.

Das Ergebnis war für mich enttäuschend. Der gewichtete Kappa-Koeffizient nach Cohen betrug in der Gruppe mit der Testkombination 0,26 und in der Gruppe mit dem einzelnen Test 0,41. Beide Gruppen wiesen die höchste prozentuale Übereinstimmung beim Segment L4 auf. Es konnte lediglich bei der UG 2 ein größerer Fehler zum operierten Segment festgestellt werden, jedoch war dieser nicht signifikant.

Die Ergebnisse decken sich mit denen früherer Literatur. Auch mit der hier verwendeten Methodik konnte keine gute Intertester-Reliabilität bei der Identifikation einer Hypomobilität für beide Gruppen festgestellt werden. Des Weiteren zeigte sich in der Gruppe mit der Testkombination keine höhere Intertester-Reliabilität, als in der mit dem einzelnen Test. Natürlich gab es auch bei meiner Studie einige Anmerkungen und Kritikpunkte, die zu diesem Ergebnis geführt haben könnten. Im Folgenden seien einige dieser Punkte genannt.

Zum einen wird durch die geringe Stichproben- und Untersucheranzahl die Aussage der Ergebnisse für die Verallgemeinerung limitiert. Weiter lag eine heterogene Stichprobe in Bezug auf das Alter, das Gewicht und die Größe vor, was eine Verallgemeinerung der Ergebnisse ebenfalls begrenzt.

Zum anderen handelte es sich bei den vorliegenden Probanden nicht um symptomatische Patienten mit lumbalen Rückenschmerzen. Somit wurde keinerlei Bezug zu vorhandenen Schmerzen oder Funktionseinschränkungen hergestellt oder dokumentiert. Die Literatur zeigt aber, dass durch eine zusätzliche Schmerzprovokation und Schmerzdokumentation die Reliabilität segmentaler Beweglichkeitstests besser ausfällt (Maher und Adams 1994, Hicks et al. 2003).

Ebenfalls kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Palpation durch das Tape beeinflusst oder erschwert wurde. Da jedoch diese Situation für alle Manualtherapeuten gleich war, wiegt dieser Aspekt für die Ergebnisse der Intertester-Reliabilität der Untersuchungsgruppen nicht schwer.

 

Foto von Michael Dorausch@Flickr

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