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Safety First

Sind Manuelle Testungen der Alarligamente zuverlässig?

Im Bereich der oberen Halswirbelsäule ist die Stabilität der Ligamente überlebenswichtig. Manualtherapeuten erlernen spezifische Tests, um diese Stabilität im klinischen Alltag zu prüfen. Die Testergebnisse werden benötigt, um schwerwiegende Pathologien auszuschließen und angemessene Behandlungsinterventionen an der Halswirbelsäule durchzuführen.

Doch wie zuverlässig sind diese Tests wirklich?

Im Journal of Manual & Manipulative Therapy wurden im November 2018 die Ergebnisse einer Fallstudie veröffentlicht, die für Manualtherapeuten sehr aufschlussreich und wissenswert sind.

Drei Standardtests wurden unter die „wissenschaftliche Lupe“ genommen. Alle drei Tests werden konzeptübergreifend unterrichtet und angewendet.

Folgende Fragen wurden systematisch untersucht:

  1. Sind die Tests zuverlässig genug, um eine Läsion der Alarligamente zu identifizieren?
  2. Kann aus den drei Tests eine zuverlässige Testbatterie entwickelt werden?
  3. Wie ist die Übereinstimmung der manuellen Testergebnisse im Vergleich mit verschiedenen MRT Verfahren (Aufnahmen in liegender oder stehender Position)?

Folgende Tests wurden für die Studie ausgewählt:

  1. Lateral Shear Test = Lateralschub Atlas bei fixiertem Axis (in Rückenlage)
  2. Rotation Stress Test = Rotation bei fixiertem Axis (in Rückenlage)
  3. Side-bending Stress Test = Seitneigung bei fixiertem Axis (im Sitz)

Die Testgruppe bestand aus 7 Probanden mit Läsion der Alarligamente (Diagnose mittels MRT), die Kontrollgruppe aus 11 Teilnehmern.

Ein erfahrener  Manualtherapeut führte die manuelle Testung durch. Er wusste nicht, zu welcher Gruppe der jeweilige Proband gehört.

Das MRT wurde einmal im Liegen (Standard) und einmal im Sitzen mit einem spezifischen Protokoll zur Untersuchung der Halswirbelsäule durchgeführt. Auch der Radiologe war Spezialist und bezüglich der Gruppenzugehörigkeit verblindet.

Und das sind die Ergebnisse:

Zu Frage 1.:  Die Aussagekraft einer einzigen manuellen Testung wird als gering bis moderat eingeschätzt. Sensitivität/ Spezifität: 80-85.7% und 69.2-90.9%

Zu Frage 2.:  Die diagnostische Genauigkeit und damit die Aussagekraft der manuellen Testung steigt durch die Anwendung der Testkombination auf 85.7% bzw. 100% (moderat bis sehr gut).

Zu Frage 3.: Die Ergebnisse der MRT Untersuchungen in den Ausgangsstellungen Rückenlage (Standard) und aufrechte Position (Spezielles MRT Verfahren) waren in 2 von 7 Fällen nicht kongruent. MRT Aufnahmen in sitzender oder stehender Position zeigen mehr Läsionen der Alarligamente als in liegender Position – der Grund dafür könnte die stärkere Belastung der cervikalen Strukturen In aufrechter Körperhaltung sein.

Limitierung der Studie (u.a.):

  • Die Probanden hatten eine stark ausgeprägte Symptomatik des Krankheitsbildes. Dies ist nicht übertragbar auf eine subakute Symptomatik
  • Geringe Fallzahl (17 TN)

Trotz der genannten Einschränkungen kann zum jetzigen Zeitpunkt empfohlen werden, die beschriebene Testkombination in der klinischen Praxis einzusetzen.

Bei positiven manuellen Testergebnissen sollten folgende Punkte im Behandlungsteam besprochen werden:

  • weiterführende Diagnostik mittels MRT Spezialaufnahme
  • Besondere Sorgfalt und Vorsicht bei der Auswahl von Behandlungs-maßnahmen in der Cervikalregion
  • Empfehlung/Beratung zu Aktivitäten in Beruf und Freizeit

Literatur:

Piekartz H., Rakan M.,, Hoffmann M., Hall T., Ruch M., Ballenberger N. (2019) Diagnostic accuracy and validity of three manual examination test to identify alar ligament lesions: results of a blinded case control study. Journal of Manual & Manipulative Therapy, 27:2, 83-91

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